Petrinis Kampfansage an die Lebensmittelindustrie
In Italien ist das neue Buch von Carlo Petrini schon nach wenigen Tagen ein Diskussionsthema. Der Titel: "Terra Madre. Wie man es anstellt, vom Essen nicht aufgefressen zu werden." Der Slow-Food-Präsident sieht in der aktuellen Wirtschaftskrise nicht nur eine Finanzkrise sondern eine Nahrungskrise, die Lebensmittel nur noch als Konsumprodukte sieht. "Wir müssen der Nahrung ihren wahren Wert zurück geben", fordert Petrini. Im Januar wird er seine Thesen auch in Deutschland vortragen.
Das neue Buch des Slow-Food-Gründers erscheint in der neuen Verlagskooperation von Slow Food Editore mit Giunti Editore, einem großen Verlag, der auch 150 Buchhandlungen an Orten betreibt, wo viele Menschen zusammen kommen. Es ist quasi die Fortsetzung des 2005 erschienen Buches "Gut, sauber und fair" und zugleich eine Weiterentwicklung der Slow-Food-Philosophie. "In dieser Welt, in der die Werte auf den Kopf gestellt sind, sind tatsächlich nicht wir diejenigen, die essen, sondern umgekehrt."
Petrini erinnert daran, dass er 2008 bei "Terra Madre" in Turin davor gewarnt habe, dass Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion zu einer Industrie wie jeder anderen verkomme und es deshalb darauf ankomme, dem Essen wieder seine kulturellen, sozialen und auch "heiligen" Werte zurück zu geben. "Der Konsumismus ist eine Ideologie, die die Ressourcen ausplündert und verschwendet, ohne wirklich die Bedürfnisse zu befriedigen."
Petrinis Vision: Lebensmittelgemeinschaften in aller bilden eine Netzwerk, das den Dialog zwischen dem, der produziert und dem, der isst, in Gang bringt und das Gleichwicht zwischen dem Menschen und der Erde wieder herstellt. Ein Netzwerk, das von der lokalen Ebene her die Ernährungssouveränität wieder herstellt und eine neue Allianz von Produzenten und Konsumenten schafft.
(Ulrich Rosenbaum)