In der aktuellen Ausgabe des Gault Millau WeinGuide erscheinen zum ersten Mal Weinempfehlungen von Slow Food Deutschland. Wozu diese Empfehlungen und welche Weine werden herausgehoben? Auf diese Frage antworten im folgenden Beitrag Kai Wagner und Dr. Gerhard Bauer von Slow Food Deutschland.
Qualität ist natürlich auch für Slow Food erstes und oberstes Kriterium der Beurteilung. Alle von uns hier empfohlenen Weine sind mit mindestens 86 Punkten bewertet. Doch hohe Bewertungen allein reichen uns nicht. Wir wollen Weine, die die kulturelle Identität des Weinbaus in Deutschland widerspiegeln und bewahren, Weine, die nachhaltig und naturschonend produziert werden, Weine, die die Vielfalt klassischer Rebsorten erhalten und vor allem Weine, die für jedermann bezahlbar sind. Wein soll Element des kulinarischen Alltags werden. Und zwar Wein, der hierzulande unter fairen Bedingungen produziert wurde von Winzern, die mit ihrer Arbeit eine prägende Kulturlandschaft erhalten. Diese Bewegung weg von der rein auf Höchstbewertungen zielenden Weinkritik und hin zu einer den Prinzipien »Gut, sauber, fair« entsprechenden Ausrichtung, die Nachhaltigkeit, Ethik, Tradition und kulturelle Identität in den Mittelpunkt rückt, ist prägend für die weltweite Slow Food Bewegung. In Deutschland haben wir das Thema »Guter Wein für alle Tage« mit der Vorstellung von 200 Weinen in den Mittelpunkt der Vinothek der Slow Food Messe 2009 gestellt. Wir stoßen dabei nicht ins Horn der Discounter, deren Preiskriege für die Produzenten existenzbedrohend sind und die die Qualität des Produkts auf dem Altar der Preisführerschaft opfern, wie regelmäßige Lebensmittelskandale schlaglichtartig zeigen. Für die in Deutschland im Schnitt für eine Flasche Wein bezahlten zwei Euro kann man bestenfalls einen zwar gesundheitlich unbedenklichen, aber gesichtslosen Industriewein erwarten. Setzt man aber die Preisgrenze auf zehn Euro, findet man bei uns eine Fülle charaktervoller Weine, die Rebsorte, Terroir und Winzerkunst authentisch widerspiegeln und zugleich nachhaltig und unter fairen Bedingungen produziert wurden.
Wir freuen uns über die Zusammenarbeit mit Gault Millau. Die hier vorgestellten Weine stehen repräsentativ für viele andere Weine und Winzer. Sie stehen für den aufwändigen Weinanbau in Steillagen, den wir unterstützen und erhalten wollen. Sie stehen für naturschonenden Anbau und für Winzer, die schon früh mühevolle ökologische Pionierarbeit geleistet und uns voll und ganz von der Qualität ihrer Weine überzeugt haben. Sie stehen für Rebsorten, die unmodern, selten oder schwierig, aber wertvoll sind, und für Winzer, die sich ihnen verschrieben haben. Und schließlich für Winzer, die ohne in ihrem Qualitätsstreben nachzulassen, auf dem Boden geblieben sind, ein offenes Haus pflegen und Gästen und Kunden gute und bezahlbare Weine für jeden Tag bieten.
Die weltweite Vereinigung von Genießern setzt sich für günstige, regionaltypische Produkte ein, auch Weine. Sie wurden von Slow Food Deutschland wegen ihrer Gebietstypizität, ihres Rebalters, ihrer organischen Anbauweise oder ihres besonderen Geschmacks ausgewählt und sind bei den Gütern gekennzeichnet.
2007 Schliengener Sonnenstück Sekt Brut
Zimmermann (Baden), 9 €, 88 Punkte
2008 Weyher Michelsberg Gelber Muskateller Spätlese trocken
Möwes (Pfalz), 6,50 €, 91 Punkte
2008 Bopparder Hamm Ohlenberg Riesling Spätlese trocken
Weingart (Mittelrhein), 8 €, 90 Punkte
2008 Escherndorfer Lump Silvaner Spätlese trocken
Horst Sauer (Franken), 9,90 €, 90 Punkte
2008 Cuvée Weiß trocken Tauber Edition
Hofmann (Franken), 9,50 €, 87 Punkte
2008 Riesling trocken »vom Rotliegenden«
Siener (Pfalz), 7,50 €, 90 Punkte
2008 Bickensohler Herrenstück Weißburgunder trocken
Holger Koch (Baden), 8,90 €, 90 Punkte
2008 Ihringer Grauburgunder trocken
Pix (Baden), 7,50 €, 88 Punkte
2008 Traminer Spätlese trocken vom Berg
Bickel-Stumpf (Franken), 11 €, 87 Punkte
2008 Wiesenbronner Geißberg Rieslaner Spätlese
Roth (Franken), 9 €, 89 Punkte
2008 Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese
Selbach-Oster (Mosel), 8,25 €/0,375 l, 92 Punkte
2007 Bechtheimer Geyersberg Frühburgunder Spätlese trocken
Geil Erben (Rheinhessen), 8,80 €, 86 Punkte
2007 Weiler Schlipf Spätburgunder »CS« trocken
Claus Schneider (Baden), 9,60 €, 89 Punkte