Lange Tafel in Halle 23a
Erstmals konnte sich die "Arche des Geschmacks" mit Beispielen auf der Grünen Woche in Berlin vorstellen – dank einer Einladung von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner in die Halle ihres Ministeriums. Bei der mehr als zweistündigen Veranstaltung stellte sich zuerst der Arche-Passagier Teltower Rübchen mit einer Rübchensuppe vor. Axel Szilleweit, der einzige Vollerwerbs-Anbauer der Teltower Spezialität, war mächtig stolz.
Danach ein Experiment: Der Knieperkohl aus der Prignitz, der sich für die Arche bewirbt, wurde präsentiert von Conny Schmidt, von deren Bunten Bentheimern die dazu gehörende Lungenwurst kam. Die rund 50 Gäste an der Langen Tafel durften abstimmen und entschieden sich einstimmig dafür, dass diese fast ausgestorbene kulinarische Tradition aus der Zeit des 30-jährigen Krieges gerettet gehört. Mittlerweile wird der Knieperkohl, ähnlich hergestellt wie Sauerkraut, auch in Gläsern vertrieben. Dann trat ein Team vom Convivium Schwarzwald-Baden in Aktion.
Im Mittelpunkt des Abends: der Arche-Passagier Hinterwälder Rind. Karl Hodapp, Koch und Wirt des Hotel-Restaurants "Rebstock" in Waldulm, hatte in Rotwein geschmorte Ochenbäckchen vorbereitet. Hodapp, der einst bei Witzigmann in der Aubergine gelernt hat, gilt mittlerweile als Geheimtipp, der Michelin verlieh einen Bip Gourmand. Als Beilage hatte er kleine Klöße vom Fränkischen Grünkern, ebenfalls ein Arche-Produkt, vorbereitet, die exzellent schmeckten. Und dann der Wein, der in aller Munde ist: der Klingelberger aus der Ortenau. Winzer Winfried Köninger, engagierter Slowfooder, und Conviviumsleiter Klaus Brodbeck erläuterten, was es mit dieser auf das 18. Jahrhunderten Weintradition auf sich hat, dass sie Qualitätsmaßstäbe setzt und man dabei ist, dem ursprünglichen Riesling-Klon zurück zu züchten.
Schließlich verblüffte wieder einmal Helmut Pöschel aus dem Zeitzer Land mit seinem "Würchwitzer Milbenkäse", einer jahrhundertealten Tradition der Käsezubereitung mit Hilfe von Käsemilben. Nicht zu vergessen, was sich sonst noch auf der Bühne tat:
Unter der Conference von Werner Prill berichtete Dr. Rupert Ebner aus Ingolstadt über die Tiere in die Arche des Geschmacks und warum man sie vor dem Aussterben retten muss. Professor Gudrun Kammasch vom Convivium Berlin gab Ratschläge, wie man auch mit traditionellen und kalorienreich erscheinenden Speisen gesund genießen kann. Und immer wieder dazwischen kommentierte die Schauspielerin Hansi Jochmann, nicht nur als Haushälterin Rosshauptner in der Fernsehserie "Pfarrer Braun" der ganzen Nation bekannt, die einzelnen Gerichte. Sie outete sich als leidenschaftliche Köchin und Slow-Food-Mitglied aus Überzeugung.
Moderator Werner Prill mit Axel Szilleweit
Conny Schmit, Werner Prill, Klaus Brodbeck, Winfried Köninger, Ulrich Rosenbaum
Hansi Jochmann
Gudrun Kammasch
Rupert Ebner
Geschmorte Ochsenbäckchen vom Hinterwälder Rind mit Grünkernklößen
Helmut Pöschel
Fotos: Martin Lenz