Grüne Woche: Schulterschluss zwischen BUND; Slow Food und BESH
Slow Food Präsident Carlo Petrini von der weltweit 100 000 Mitglieder starken Organisation setzte sich während der Grünen Woche in Berlin auf dem Diskussionsforum Talk for Nature für eine umweltverträgliche Landwirtschaft mit fairen Preisen für die Bauern ein.Organisiert hatte das Talk for Nature der Vorsitzende der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH), Rudolf Bühler und der Berliner Slow Food Conviviumsleiter Ulrich Rosenbaum im Schulterschluss mit dem BUND, den Naturschützern, dem Weltbioverband IFOAM und anderen Organisationen.
„Wir Bauern brauchen den Schulterschluss mit dem Verbraucher, im Kampf gegen die Agrochemie“, diesem Aufruf von Rudolf Bühler folgte Carlo Petrini nach Berlin. Wie der BUND und die BESH
kämpft der Slow Food Präsident dagegen an, dass „durch die Gentechnik das Saatgut und die Patente für Tierrassen in die Hände der Agrochemiekonzerne fallen.“ Laut Carlo Petrini geht nach und nach die Verfügungsgewalt der Bauern über das Saatgut, die Tierzucht und über ihr Eigentum auf die multinationalen Konzerne über, die in Afrika, Asien und Südamerika bereits Millionen von Hektar Land aufgekauft und privatisiert haben. Zudem verliere der Verbraucher immer mehr die Souveränität über sein Essen: „Er weiß nicht mehr was drin ist“
Petrinis Aufruf lautete deshalb: „Wir müssen die lokale bäuerliche Landwirtschaft stärken, indem wir die Lebensmittel der Bauern vor Ort einkaufen.“ „Es sind die kleinräumigen Zusammenhänge, die uns weiterbringen“, sagte Petrini. Vorreiter seien hier beispielsweise die weltweit 5000 kleinbäuerlichen Genossenschaften, die bei Slow Food aktiv sind.
„Drei Viertel der Menschen in Deutschland und Europa wollen keine grüne Gentechnik, warum haben wir trotzdem genveränderte Lebensmittel“ lautete die Frage aus dem Publikum an die Gentechnikbefürworterin von der FDP, die Bundestagsabgeordnete Happach-Kassan. Sie hatte für die Koexistenz gentechnisch verändertem und normalem Saatgut sowie für die Wahlfreiheit des Verbrauchers plädiert und die Vorteile des genveränderten BT Mais für die Landwirtschaft, die Natur und das damit gefütterte Tier gepriesen.
Der Vorsitzende vom Bund Deutscher Milchviehalter Ronuald Schaber prangerte den Irrsinn der Saldierung in der Milchwirtschaft an. „Solange es die Verrechnung von Über- und Unterlieferung der Milchquoten gibt, produzieren einige Bauern meist auf Kosten der kleinen Bauern mehr Milch. Schaber: „Hauptaufgabe muss sein, dass die kleinbäuerlichen Strukturen in Europa weiter bestehen können.“
Dem pflichtete der BUND Vorsitzende Professor Dr. Hubert Weiger bei. Er forderte die Politik auf, sich für einen flächendeckenden Erhalt der nachhaltig wirtschaftenden Bauern einzusetzen. Der BUND Chef bezeichnete das von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall initiierte Diskussionsforum talk for nature als kleinen Gegengipfel auf der Grünen Woche, wo sich 50 Agrarminister einig seien, dass die Agrogentechnik und die landwirtschaftliche Industrie eine Zukunft haben. Der Druck von Monsanto auf Europa, gentechnisch verändertes Saatgut sowie gentechnisch veränderte Tierpatente freizugeben, muss laut Professor Weiger mit allen Mitteln bekämpft werden Bernulf Schlauch