Die Basis unserer Arbeit bildet das örtliche bzw. regionale Convivium. Das lateinische Wort steht für "Tafelrunde", erinnert aber auch an Dantes "Gastmahl". Die 76 deutschen Convivien sind durch die Initiative von Mitgliedern in Städten und Regionen entstanden. Auf Bundesebene begleitet und unterstützt Slow Food die dezentrale Arbeit. Die Convivien sind unterschiedlich groß - von einem guten Dutzend bis zu 600 Mitgliedern. Die größten Convivien mit jeweils über 400 Mitgliedern sind München, Mainfranken/Hohenlohe, Münster, Frankfurt und Berlin. Außerdem hat Slow Food Deutschland rund 600 Förderer.
Anfang 2004 hatte Slow Food Deutschland rund 4.800 Mitglieder und 46 Convivien. Seither geht die Entwicklung ständig nach oben. Besonders in Ostdeutschland sind etliche neue Convivien entstanden. Insgesamt hat Slow Food Deutschland 9.300 Mitglieder (Stand: Sommer 2009) mit steigender Tendenz.
Dank der guten Mitgliederentwicklung und wachsenden Interesses aus der Werbewirtschaft kann das Magazin seit 2008 sechsmal im Jahr mit einem Umfang von jeweils 100 Seiten erscheinen. Die Druck-Auflage liegt bei 25.000.
Ja, es sollen mindestens 5 Mitglieder bei Gründung vorhanden sein und mindestens drei Veranstaltungen im Jahr stattfinden. Es ist auch schon vorgekommen, dass Convivien wieder eingestellt wurden, weil die Aktiven keine Zeit mehr fanden.
Bei Slow Food sind alle Altersgruppen vertreten. Es gibt auch Jugendgruppen. Jugendliche zahlen einen ermäßigten Beitrag (30 Euro) im Jahr oder sind als Familienmitglieder dabei.
Von Convivium zu Convivium recht unterschiedlich. Manche Convivien wie Nordhessen oder Rügen setzen sich sehr stark aus Produzenten, Händlern und Gastronomen zusammen, andere aus Menschen aus "normalen" bürgerlichen Berufen, die einfach Freunde am gemeinsamen Genuss haben.
Auch das ist unterschiedlich. Die meisten haben einen Jour-fixe, bei dem sie gemeinsam essen oder auch kochen, und veranstalten Besuche bei Produzenten. Einige Convivien treffen sich z. B. zum gemeinsamen Pilzesammeln und ähnlichen Aktivitäten. "Vereinsmeierei" ist bei Slow Food unbekannt. Einmal im Jahr findet eine, meist kurze Mitgliederversammlung statt, alle zwei Jahre wird die Leitung des Conviviums neu gewählt.
Ja. Gäste, die Slow Food kennen lernen wollen, sind zu den meisten Veranstaltungen nach Absprache willkommen. Mitglieder können auch Freunde mitbringen.
Es gibt attraktive Veranstaltungen, bei denen die Teilnahme limitiert ist und bei denen zuerst oder nur Mitglieder zum Zuge kommen. Außerdem zahlen Mitglieder bei vielen Events etwas weniger. Das deutsche "Slow-Food-Magazin" (sechsmal im Jahr mit mindestens 100 Seiten) und der internationale Jahres-Almanach (in deutscher Übersetzung) sind für viele allein schon den Mitgliedsbeitrag wert. Für einen großen Teil der Mitglieder steht die Unterstützung der Slow-Food-Idee im Vordergrund.
Die Einzelmitgliedschaft kostet 75 Euro im Jahr. Darin ist der Bezug des deutschen Slow-Food-Magazins und des internationalen Jahres-Almanachs enthalten. Die Partner- und Familienmitgliedschaft kostet 95 Euro.
Jugend-Mitglieder zahlen 30 Euro,.
Fünf Euro vom Beitrag gehen an die internationale Slow-Food-Stiftung für Biodiversität.
Mindestens 200 Euro zahlen Förderer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden.
Nein. Firmen werden nur als Förderer anerkannt, wenn sie ein Mindestmaß an Slow-Food-Ansprüchen erfüllen und die Aufnahme vom örtlichen Convivium befürwortet wird. Nur anerkannte Förderer dürfen das Jahrslogo mit der Schnecke als Aufkleber an ihrem Geschäft oder Restaurant benutzen.
Nein. Alle Vorstandsmitglieder und Convivienleiter arbeiten ehrenamtlich und werden alle zwei Jahre von der Mitgliederversammlung bzw. der Convivienversammlung, an der jedes Mitglied teilnehmen kann (es gibt bisher noch kein Delegiertenprinzip), neu gewählt. Die Geschäftsführung wird von einem Bürodienstleister wahrgenommen, der allerdings auch in der Sache engagiert ist, und das Magazin wird von freien Journalisten betreut.
Nein, Slow Food Deutschland erhält keine regelmäßigen Zuwendungen. Gelegentlich erfolgt in einzelnen Projekten eine finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand.
Ja. Es gibt immer wieder Partnerschaften für gemeinsame Projekte und auch längerfristige strategische Partnerschaften. Entscheidend ist, dass die gemeinsame Schnittmenge groß genug ist. Dabei ist es weniger wichtig, ob es sich um "etablierte" oder eher "alternative" Organisationen handelt. Eine feste Partnerschaft besteht mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband. Hier gehört Slow Food zu den Fördermitgliedern. Außerdem gehört Slow Food der "Plattform Ernährung und Bewegung" an und hat einen Kooperationsvertrag mit dem Deutschen Gartennetzwerk.
Nein. Wir sind wie Slow Food Italien und andere nationale Slow-Food-Organisationen gleichberechtigte Mitglieder der weltweiten Slow-Food-Familie. Das bedeutet auch: Wir sind keine Organisation für italienische Esskultur sondern kümmern uns so wie die anderen nationalen Organisationen um unsere regionalen Produkte. Es gibt allerdings bei Slow Food Deutschland besonders viele Freunde der italienischen Küche. Die Mitglieder von Slow Food Deutschland e.V. sind gleichzeitig Mitglieder von Slow Food International, ohne dass daraus besondere Pflichten erwachsen. Allerdings ist es nicht möglich, die internationale Mitgliedschaft abzulehnen und nur Mitglied des deutschen Vereins zu sein. Die Mitglieder von Slow Food Deutschland unterstützen die Arbeit der internationalen Organisation mit rund 100.000 Euro im Jahr. Daraus werden die Stiftung für Biodiversität, die Arbeit der zentralen Verwaltung für Deutschland, Schriften wie der Slow Food Almanach und die Aufbauarbeit in Ländern mit wenigen Mitgliedern finanziert.
Die Wort-Bild-Marke mit der Schnecke und dem Begriff "Slow Food" ist von Slow Food International weltweit geschützt. Slow Food Deutschland e. V. darf sie im Rahmen des so genannten "National Protocol" für den Bereich Deutschland nutzen und muss über die Einhaltung des Markenschutzes wachen. Rein theoretisch könnte Slow Food International Namen und Logo wieder entziehen, wenn sich Slow Food Deutschland aus der internationalen Organisation zurück ziehen würde.
So richtig passt Slow Food eigentlich in keine Schublade. Vorrangig betrachten wir uns als Verbraucher-Organisation und Lobby für den Geschmack.
Nein. Für Slow Food steht steht der Gedanke der Biodiversität, also der Vielfalt der Nahrungsmittel und Esskulturen im Vordergrund. Biologische Produktion ist eines von mehreren Kriterien für die Beurteilung von Produkten. Wichtig ist der möglichst ursprüngliche Genuss. Der kann bei Bio-Produkten gegeben sein, muss es aber nicht. Einen Biowein, der nicht schmeckt, muss man nicht mögen. Auf jeden Fall fühlt sich Slow Food dem Gedanken der Nachhaltigkeit verpflichtet.
Auch bei dieser Frage steht der Leitgedanke der Biodiversität über allem. Slow Food befürchtet, dass gentechnisch veränderte Organismen (GVO) die Vielfalt zerstören oder spürbar verändern. In der "grünen Gentechnik" wird bisher kein Fortschritt gesehen, weil es nachteilige Folgen z. B. durch den erhöhten Wasserbedarf gibt. Ansonsten haben die Mitglieder sehr unterschiedliche Einstellungen zu Gentechnik. Die meisten sagen: Wir wollen kein Genfood, vor allem keine unmittelbar veränderten Lebensmittel. Damit stehen sie an der Seite von zwei Dritteln der Bevölkerung. Einzelne Convivien beteiligen sich an den "Gentechnikfreien Regionen". Irrationale Ängste sind allerdings nicht das, was für Slow Food typisch wäre. Slow-Food-Präsident Carlo Petrini sagte zu Genfood: "Der Markt mag keine GVOs. Wunderbar!"
Nein, denn Slow Food ist nicht auf "Gegner" wie Mc'Donalds oder Burger King fixiert. Slow Food setzt auf Aufklärung über die gesundheitlichen Nachteile der Hamburger-Kultur. Wir wollen die Angebotsvielfalt bewahren helfen und Informationen für bewusste Konsumenten geben, sich von Fall zu Fall das jeweils passende Angebot auszusuchen. Vom Butterbrot und der guten Frikadelle bis zum Edelfisch.
Slow Food hat einige namhafte Mitglieder. In der Politik sind das z. B. die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sowie die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast und der Vorsitzende des Rates für Nachhaltigkeit der Bundesregierung, Volker Hauff (SPD). Aus dem Gewerkschaftsbereich ist die stellvertretende Ver.di-Bundesvorsitzende Margret Mönig-Raane engagiertes Mitglied. Es sind Menschen aus der Kultur dabei wie z. B. Berlinale-Intendant Dieter Kosslick, Kameramann Michael Ballhaus und TTT-Moderator Dieter Moor sowie Sterne-dekorierte Köche wie Michael Hoffmann (Margaux Berlin), Tillman Hahn (Warnemünde), Hans Stefan Steinheuer (Bad Neuenahr), Vincent Klink (Stuttgart), Marcello Fabbri (Weimar) oder auch Spitzenwinzer wie der Rotwein-Star Werner Näkel und die Nummer eins in Franken Paul Fürst. "Jahrhundertkoch" Eckart Witzigmann gehört ebenfalls dazu. Aber auch bekannte und engagierte ökologische Landwirte wie Heino Graf von Bassewitz (Dalwitz), Wilhelm Schäkel (Zempow), Sonja Moor (Werneuchen), Karl Schweisfurth (Glonn) oder Rudolf Bühler (Schwäbisch Hall).
Wir wissen nicht, welche Mitglieder auch in Parteien engagiert sind. Wir wissen von einzelnen Mitgliedern, die in der SPD, bei den Grünen und in der FDP sind. Alle haben eines gemeinsam: Sie finden, dass sich Zusammensein bei Slow Food wohltuend vom Gerangel in den Parteien abhebt. Alles in allem fühlen sich die "Slowfoodies" als gesellschaftspolitisch progressive Menschen, die mitten im Leben stehen. Anhänger extremistischer Parteien haben bei Slow Food nichts zu suchen.
Slow Food ist Initiator und Mit-Organisator von wichtigen Produzenten-Märkten wie dem "Norddeutschen Käsemarkt" auf dem Kiekeberg bei Hamburg, dem Deutschen Käsemarkt in Nieheim/Ostwestfalen, dem Rhöner Wurstmarkt und "Genuss in Nordwesten". Das alljährliche nationale Ereignis ist die Slow-Food-Messe in Stuttgart.
In die "Arche des Geschmacks" nimmt Slow Food weltweit Nutzpflanzen, Nutztiere, Lebensmittelprodukte und Speisen auf, die vom Aussterben bedroht sind. Beispiele in Deutschland sind das Bunte Bentheimer Schwein, der "Angeliter Tannenzapfen", eine seltene Kartoffel, die Alblinse oder die "Ahle Wurscht" aus Nordhessen. Für die Bewohner der Arche werden jeweils Förderkreise gegründet.
Terra Madre ist der Titel eines Treffens von 6.000 Bauern und Produzenten, Köchen und Ernährungswissenschaftlern, dass alle zwei Jahre in Turin stattfindet. Es ist aber auch der Name für einen Teil der programmatischen Arbeit von Slow Food auf verschiedenen Organisationsebenen, der diese Gruppen umfasst. Es gibt regionale Terra Madre Netzwerke, auch in Deutschland sind sie im Entstehen, in denen diese Gruppen mitwirken können, egal ob sie unmittelbar Mitglieder von Slow Food sind.
"Citta Slow" wurde in Italien gegründet. Dort dürfen sich mittlerweile über vierzig Städte, die strengen Slow-Kriterien unterliegen, mit diesem Titel schmücken. In Deutschland sind es bisher zwei Kleinstädte: Hersbruck. Überlingen und Stadt Waldkirch. Mehr...
Ein verbreitetes Missverständnis, das "slow" mit "schlank" verwechselt. Aber: Damit, dass sich Slow Food für gesunde Ernährung und bewusstes Essen einsetzt, geht es auch um körperliches Wohlbefinden.
Auch ein Missverständnis. Viele Convivien machen zwar Kochaktionen, aber es ist kein "Muss". Wie auch immer: Hauptsache, es macht Spaß und schmeckt.