Die Brüder Pellis mit ihrem Weinhandel sind die treuesten und ältesten Förderer von Slowfood im Convivium Hannover. Neben den vielen italienischen Spezialitäten haben sie ein besonders Augenmerk auf den Prosecco gelegt - hier folgt
PROSECCO - eine Liebeserklärung
Nein, keinen Sekt bitte, wir möchten Prosecco ! Diesen Satz hört wohl jeder Weinhändler des öfteren. Auch die Annahme, Prosecco sei die italienische Bezeichnung für Sekt, was phonetisch durchaus nachvollziehbar wäre, ist ein immer noch verbreiteter Irrglaube.
Tatsächlich ist Prosecco aber eine Rebsorte, heimisch im Veneto . Das traditionelle Anbaugebiet ist die "Marca Trevigiana", das hügelige Gebiet zwischen Conegliano und Valdobbiadene, nördlich von Venedig und am Fuße der Dolomiten. Die steilen Hügel, in denen zum Teil nur mit Raupenfahrzeuge gearbeitet werden kann, und die Nähe der Berge ergeben die klimatischen Voraussetzungen für die besonderen Merkmale vom Prosecco: wenig Alkohol, milde Säure, aromatisch und sehr delikat.
Somit ist er auch empfindlich bezüglich der Alterungsprozesse und sollte möglichst jung getrunken werden.
Die Lese erfolgt relativ spät, meistens im Oktober. Vereinzelt stehen in den Weinbergen auch Rebstöcke der Rebsorten Verdisa und Perera, welche dem Prosecco beigemischt werden und durch ihre Säure und Aromen den Charakter mit beeinflussen.
Prosecco wird in drei Varianten ausgebaut:
- recht unbekannt ist der Prosecco als stiller Wein, welcher auch nur in sehr geringen Mengen exportiert wird.
- als leichter Perlwein ("frizzante", in Deutschland stark verbreitet weil günstig in der Herstellung und unterliegt nicht der Sektsteuer von ca. ¤ 1,- pro Flasche); da der Kohlensäuredruck beim Frizzante unter 2 Atü liegt, empfehlen wir die Flasche nach dem Öffnen nicht lange stehen zu lassen und sehr kalt zu servieren (die Kälte bremst das Entweichen der Kohlensäure).
- als Sekt (Spumante) hergestellt mit der Charmat-Methode. Der Restzucker bestimmt den Sekt-Typ: Brut = sehr trocken, Extra Dry = halbtrocken, Demi sec = süß.
Prosecco ist leicht, fruchtig, mit wenig Alkohol. In der Nase schmeichelt sich der gute Prosecco mit einem zarten Duft von Äpfeln und Akazienblüten ein. Am Gaumen setzten sich diese Eindrücke in den zartschmelzenden Perlen fort.
In der Anbauregion geniesst man den Prosecco traditionell zum gesamten Essen, wobei man ihn in eine offene Karaffe umfüllt, um diesen dann als leicht moussierenden Wein zu trinken. Seit jeher ist Prosecco immer ein bißchen lieblich gewesen und das ist meistens heute noch so und selbst bei den sehr trocken ausgebauten Spumanti findet man noch die typische angenehme Fruchtigkeit.
Diese Eigenschaften sind sicherlich der Hauptgrund dafür das Prosecco ein allseits beliebtes Modegetränk werden konnte. Leider folgte dieser Mode üblicherweise die Aufnahme in die Regale der Discounter und einer Schwemme von sauren, muffigen oder anderweitig defekten Getränken, die mit Prosecco nur noch den Namen auf der Flasche gemeinsam haben. Das Preisdiktat der großen Ketten fördert leider immer wieder jene Abfüller , die keinen Betrug scheuen, irgendeine alkoholische Flüssigkeit abzufüllen und auf das Etikett Chianti, Soave oder eben auch Prosecco zu schreiben.
Wer Prosecco nur so kennt, wird die Begeisterung für dieses herrliche Getränk natürlich niemals teilen können.
Legro Weinhandel GmbH
Frank Harder